Deutschland-Stack 2.0: KI-Agenten sollen die Verwaltung revolutionieren
- Vom abstrakten Framework zum technischen Lastenheft
- Der revolutionäre Kern: Agentic AI
- Model Context Protocol: Das USB-C für KI
- Open Source nach massiver Kritik festgeschrieben
- Gute Mini-PCs für dein Homelab / lokales Hosting
- Generative KI mit Wahlfreiheit
- Die vier strategischen Säulen
- Zeitplan mit ambitionierten Zielen
- Verbindung zu OZG 2.0 und DeutschlandID
- Kritik und offene Fragen
- Viel Potenzial vorhanden
Am 16. Januar 2026 hat das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung die zweite Konsultationsrunde zum Deutschland-Stack gestartet. Was auf den ersten Blick nach trockener Verwaltungsdigitalisierung klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als technische Revolution: Der Deutschland-Stack 2.0 verlässt die Phase abstrakter Konzepte und wird zu einem konkreten Lastenheft für das digitale Betriebssystem Deutschlands. Besonders spannend finde ich den massiven KI-Schwerpunkt – hier passiert gerade etwas Grundlegendes.
Die wichtigsten Punkte:
- Agentic AI mit standardisierten Protokollen für autonome Verwaltungsprozesse
- Open Source als Primärlösung nach Kritik von Verbänden festgeschrieben
- Standards und Governance müssen bis 31. März 2026 stehen
- Model Context Protocol (MCP) wird zum zentralen KI-Standard
- Bis 2028 sollen konkrete Angebote für alle föderalen Ebenen bereitstehen
Vom abstrakten Framework zum technischen Lastenheft
Heise Online bringt es auf den Punkt: „War die ursprüngliche Fassung noch stark von abstrakten Zielen wie der ‚europäischen Souveränität‘ geprägt, liest sich das aktuelle Dokument wie ein technisches und strategisches Lastenheft für ein modernes Staats-Betriebssystem.“ Diese Entwicklung finde ich bemerkenswert – das Projekt wird erwachsen.
Die erste Version vom Oktober 2025 war noch vage. Jetzt gibt es konkrete technische Protokolle, definierte Architekturprinzipien und einen straffen Zeitplan. Digitalstaatssekretär Markus Richter spricht von einem „wichtigen Schritt hin zu einer interoperablen Verwaltung“ und sucht „bewusst den offenen Dialog“. Die aktuelle Konsultationsrunde läuft bis 15. Februar 2026 und fokussiert sich auf drei Bereiche: Generative und agentische KI, semantische Technologien sowie virtualisierte Infrastrukturen.
Der revolutionäre Kern: Agentic AI
Was mich am meisten fasziniert, ist der Agent-to-Agent-Ansatz (A2A). Die Vision: Verwaltungen bieten künftig nicht mehr nur digitale Formulare an, sondern vernetzte, intelligente Systeme handeln proaktiv. Das ist ein Paradigmenwechsel.
Konkret definiert der Deutschland-Stack 2.0 folgende Protokolle:
Technische Standards für KI-Agenten:
- Model Context Protocol (MCP): Für die Anlieferung von Kontextinformationen an Sprachmodelle
- Agent Network Protocol (ANP) und Agent2Agent Protocol (A2A): Für die Kommunikation von Agenten untereinander
- Agent-User Interaction Protocol (AG-UI): Für die Interaktion zwischen Nutzenden und Agenten
Das bedeutet: KI-Agenten sollen künftig ganze Arbeitsabläufe autonom abarbeiten. Menschen konzentrieren sich auf koordinierende und qualitätssichernde Aufgaben. Die Skalierung bei Routineaufgaben erfolgt automatisch.
Model Context Protocol: Das USB-C für KI
Besonders interessant finde ich das Model Context Protocol (MCP). Entwickelt von Anthropic (dem Team hinter Claude), wurde es mittlerweile der Linux Foundation übergeben – ein klares Signal für Offenheit und Standardisierung.
MCP wird als „USB-C für AI-Anwendungen“ bezeichnet. Es verbindet KI-Modelle mit externen Datenquellen und Tools über einen universellen, offenen Standard. Technisch basiert es auf JSON-RPC 2.0 und funktioniert lokal per Standard-Ein- und -Ausgabe oder remote über Streamable HTTP.
Die industrielle Akzeptanz ist beeindruckend: Im Dezember 2024 wurde MCP der Agentic AI Foundation unter der Linux Foundation übergeben. Gründungsmitglieder sind neben Anthropic auch Block, OpenAI sowie Platinum-Mitglieder wie AWS, Microsoft, Bloomberg, Cloudflare und Google. Das ist kein Nischenprojekt mehr.
Open Source nach massiver Kritik festgeschrieben
Die Open Source Business Alliance (OSBA) und die Free Software Foundation Europe (FSFE) hatten in der ersten Runde deutliche Kritik geäußert. OSBA-Vorstandsvorsitzender Peter Ganten warnte vor „Souveränitäts-Washing“ durch proprietäre Softwareanbieter: „Open Source Software ist in dieser Situation kein Nice-to-Have, sondern die Voraussetzung für digitale Souveränität, eine funktionierende Verwaltung und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft.“
Die FSFE ergänzte: „Wenn die Bundesregierung es mit technologischer Souveränität ernst meint, muss sie konsequent auf freie Software setzen.“ Die Kritik wurde gehört: Laut Heise Online ist Open Source jetzt als Primärlösung für den Plattformkern und die Integrationselemente festgeschrieben.
Gute Mini-PCs für dein Homelab / lokales Hosting

Generative KI mit Wahlfreiheit
Beim Thema generative KI setzt der Deutschland-Stack auf Wahlfreiheit: Nutzende sollen verschiedene Basis- und Fach-Sprachmodelle auswählen können. Dazu kommen flexible Einbindung fachspezifischer Quellen (RAG), Nachnutzung eigener Prompts und volle Nachvollziehbarkeit generierter Antworten.
Wichtig finde ich die Compliance-Anforderungen: Transparenz zu Quellen, Lizenzen und Verarbeitung (Responsible AI) ist Pflicht. Entwickler können Sprachmodelle austauschen (ONNX) und Trainingsdaten nachnutzen. Das Konzept klingt durchdacht.
Die vier strategischen Säulen
Der Deutschland-Stack 2.0 ruht auf vier Säulen:
- Exzellente Nutzererfahrung: Intuitive, aufwandsarme Nutzung mit kontinuierlicher Verbesserung
- Stabiler Plattformkern: Zentrale Bereitstellung, automatisierter und skalierbarer Betrieb
- KI und Daten als Enabler: Aktive KI-Nutzung zur Automatisierung, standardisierter Datenaustausch
- Digitale Souveränität: Dynamischer Einkauf am EU-Markt, eigene Lösungen als Open Source
Dazu kommen 10 Architekturprinzipien wie API-First, DevSecOps only, Zero-Trust und „Made in EU first“. Das „Prefer Buy over Make“-Prinzip zeigt: Primär wird am Markt beschafft, nicht selbst entwickelt.
Zeitplan mit ambitionierten Zielen
Der Zeitplan ist straff: Bis 31. März 2026 müssen Standards und Governance festgelegt werden. Bis Ende Januar 2026 soll die erste Version der technischen Standards stehen. Die zweite Konsultationsrunde läuft vom 16. Januar bis 15. Februar 2026.
Mittelfristig geht es darum, bis 2028 konkrete Angebote für Bund, Länder und Kommunen bereitzustellen. Register sollen vernetzt sein, der Rechtsanspruch auf digitale Verwaltungsleistungen greift. Das ist ambitioniert – aber laut Staatssekretärin Luise Hölscher ist 2026 ein „Schlüsseljahr der Chancen“ für Deutschlands digitale Verwaltung.
Verbindung zu OZG 2.0 und DeutschlandID
Der Deutschland-Stack liefert die technische Infrastruktur für die durch das Onlinezugangsgesetz 2.0 (OZG 2.0) rechtlich verankerten digitalen Verwaltungsleistungen. Die DeutschlandID ist Teil des Plattformkerns und wächst: 4,9 Millionen aktive Konten (Stand August 2025), 2 Millionen monatliche Logins – eine Verdopplung seit 2024.
Das Once-Only-Prinzip bedeutet: Daten nur einmal eingeben, dann behördenübergreifend nutzbar. Ab 2029 gibt es einen Rechtsanspruch auf digitale Verwaltungsleistungen. Der Deutschland-Stack macht diese rechtlichen Vorgaben technisch umsetzbar.
Kritik und offene Fragen
Trotz aller Fortschritte bleiben Herausforderungen. Die föderale Struktur Deutschlands führte jahrelang zu einem „Puzzle verschiedener Lösungen“. Der Deutschland-Stack versucht dies durch verbindliche Standards zu überwinden – ob das gelingt, muss sich zeigen.
Die OSBA kritisiert außerdem die Finanzierung: Wichtige Projekte wie das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) würden nur mit Minimalbeträgen bedacht. ZenDiS benötigt laut OSBA jährlich mindestens 30 Millionen Euro, geplant seien jedoch nur 2,6 Millionen. Auch die Verbindlichkeit der Kriterien wird hinterfragt – die aktuelle Formulierung schließt keine Lösungen explizit aus.
Viel Potenzial vorhanden
Der Deutschland-Stack 2.0 markiert einen Wendepunkt in der deutschen Verwaltungsdigitalisierung. Die Konkretisierung ist beeindruckend: Von abstrakten Souveränitätszielen zu präzisen technischen Protokollen für KI-Agenten. Besonders spannend finde ich die Festlegung auf Open Source und offene Standards – das ist nach jahrzehntelanger Abhängigkeit von proprietären Anbietern ein Befreiungsschlag.
Ob die ambitionierten Zeitpläne halten und die föderalen Hürden überwunden werden, bleibt abzuwarten. Der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder lobt: „Das Digitalministerium macht dabei gleich zwei Dinge richtig: Es drückt aufs Tempo und holt sich Expertenrat aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.“ Meiner Meinung nach ist das Konzept der agentischen KI mit standardisierten Protokollen wegweisend – wenn es gelingt, könnte Deutschland tatsächlich vom digitalen Schlusslicht zum Vorreiter werden.


Schreibe einen Kommentar