Seit einem halben Jahr bietet Gigaset für sein Smart-Home-System eine Außenkamera an. Wir haben die Gigaset Outdoor camera auf Herz und Nieren getestet.

Seit einem halben Jahr bietet Gigaset für sein Smart-Home-System eine Außenkamera an. Wir haben die Gigaset Outdoor camera auf Herz und Nieren getestet.

Nach jahrelangem Betteln und Flehen hat Gigaset endlich eine Außenkamera für ihr Smart-Home-System auf den Markt gebracht.

Verarbeitung und Funktionen der Gigaset outdoor camera

Das Vollmetallgehäuse erscheint nicht gerade unauffällig, ist dafür mit rund 500 Gramm Materialgewicht massiv und stabil gefertigt.

Durch IP66-Zertifzierung ist sie auch für gegen das Eindringen von Staub und starkem Strahlwasser geschützt. Lediglich unter Wasser kann sie nicht eingesetzt werden.

Der Full-HD-Sensor sowie die Infrarot-Nachtsichtfunktion sorgen für gute Bildqualität am Tag und in der Nacht.

Somit lässt sich auch das Livebild, welches über die Smartphone-App ausgegeben werden kann, mit hoher Schärfe betrachten. Auch dass die Einbindung in das Gigaset Alarmsystem oder wahlweise als Standalone-Lösung zur Verfügung steht, ist positiv.


Installation & Einrichtung

Angeschlossen werden kann die Kamera über Lan oder W-Lan. Der Netzanschluss wird per Power-over-Ethernet realisisert. Daher eignet sich die Einbindung mit Netzwerkkabel besonders gut.


Kritisch betrachtet werden muss die Art der Netzleitung: Nicht nur, dass sie viel zu kurz geraten ist, braucht es einen relativ großen Lochdurchbruch mit knapp 16 Millimetern. Hier muss also im Anschluss unbedingt die Kältebrücke wieder geschlossen werden.

Weswegen Gigaset derart mit der Leitungslänge knausert, bleibt vermutlich ihr Geheimnis.

Die Einrichtung ging leicht von der Hand. Der Erste Versuch, die Kamera in das bestehende System zu integrieren, scheiterte jedoch. Ein Werksreset der Outdoor Camera schaffte Abhilfe. Dann lies sich der QR-Code problemlos in das System einbinden. Ob wir eine gebrauchte Kamera zum Test bekommen haben, ist an dieser Stelle nicht überliefert.

Das anschließende Anbringen an der Fassade sowie das Justieren ging mit handwerklichen Grundfähigkeiten einfach. Eine Bohrschablone unterstützt weniger geübte Handwerker.

Mit der Verfügbarkeit eines Netzwerkkabels sowie einer Steckdose (im Inneren des Gebäudes!) kombiniert ein Splitter beide Leitungen zu einer „Abgangsleitung“, die durch den Durchbruch geführt wird und an der Kamera fest angeschlossen ist.

Hierdurch ist das große Bohrloch auch notwendig. Nach einigen Monaten im Betrieb verlor die outdoor camera ohne weiteres Zutun die Verbindung zum W-Lan. Die erneute Einrichtung erwies sich als schwierig, da der Reset auf dem Dachboden (dort wo die Spannungsversorung hergestellt wird) erfolgen muss, gleichzeitig aber an der Außenkamera Sichtkontakt zur Herstellung der neuen Verbindung benötigt wird.

Weshalb es nicht einfach möglich ist, sein W-Lan-Kennwort manuell zu hinterlegen, erschließt sich uns nicht. Man könnte es mit Sicherheitsbedenken begründen, dann muss jedoch eine komfortablere Installationsroutine vorhanden sein.

Auszug aus dem Datenblatt

Um die wichtigsten Funktionen aufzulisten, hier ein Auszug aus dem Produktdatenblatt:

  • Abmessungen: 190 x 60 x 60 mm, Gewicht 465 g
  • Video-Auflösung: Live-Ansicht in Full HD (1920 x 1080p)
  • Aufnahme in HD-Qualität (1280 x 720p)
  • Schutzklasse: IP66 (Wetterfest/Wasserdicht)
  • Nachtsicht: Infrarot Nachtsicht bis zu 15m
  • Betrachtungswinkel: 110° Horizontal und 60° Vertikal
  • Konnektivität: WiFi 802.11 b/g/n 2,4 GHz & Ethernet LAN
  • Sicherheitsstandards: WPA2/ TKIP

Praxiserlebnis

Die Kamera liefert in der Praxis 24 Stunden, 7 Tage die Woche Livebilder, die auf Wunsch auch mit Ton ausgeliefert werden können. Der Betrachtungswinkel von 110 ° horizontal und 60 Grad vertikal sorgt für gute Übersicht, ohne große Verzerrungen zu produzieren.

Die Integration in das bestehende Smart-Home-System funktioniert gut. Ärgerlich ist, dass alle wichtigen und „Mehrwertfunktionen“ hinter einem Bezahl-Abo stecken. Nach dem einmalig buchbaren Test gibt es zwei Varianten: Einmal das „kleine“ Paket für zehn Euro pro Jahr und einmal große Paket, welches mit 50 € pro Jahr zu Buche schlägt.

Hauptsächlich unterscheiden sich die beiden Zubuchoptionen in der Dauer der Datenspeicherung (2 Tage zu 4 Wochen) und der Aufnahmezeitlimitierung (2 Minuten zu unbegrenzt).

Das kostenlose Modell zeichnet nur im Alarmfall für 30 Sekunden auf. Manuelle Aufnahmen nicht nicht möglich. Die Video-Dateien beim Freemiumpaket werden nach 2 Tagen gelöscht.

In beiden Bezahlvarianten steht außerdem eine Monitoring-Funktion über Webbrowser zur Verfügung, sodass Sie die Kameras über ihren PC anschauen und auch Aufnahmen anfertigen können.

Besonders ärgerlich empfinden wir jedoch die Tatsache, dass Videos nur in HD-Auflösung (720P) gespeichert werden. Selbst beim hochpreisigsten Abo ist es nicht möglich, Full-HD-Aufzeichnungen auf den Server zu bannen. Diese sind nur im Livestream sichtbar.

Aus unserer Sicht eine Schande, denn je höherwertiger das Videomaterial im Einbruchsfalle ist, desto besser kann die Aufklärung betrieben werden.

Hier sollte Gigaset zwingend nachlegen, denn der Bildsensor gibt deutlich mehr her. Die Livebild-Aufnahmen sind von hoher und guter Qualität, was später als „Download“ angeboten wird, ist hingegen mau.

Lohnt sich die Kamera?

Die Gigaset outdoor camera bietet eine sinnvolle Ergänzung zu einem bestehenden Gigaset Smart Home System. Als Standalone-Lösung würden wir diese Kamera nicht empfehlen, da bieten andere Anbieter mehr.

Integriert in das Gigaset Alarmsystem hingegen stellt sie eine praktische und solide Möglichkeit zur Sicherung des eigenen Hauses dar. Die Kamera ist robust, die Anschlussleitungen aus unserer Sicht zu kurz. Hier wünschen wir uns jeweils ein Meter mehr – auf beiden Seiten der Anschlussbox.

Ein NoGo aus unserer Sicht ist die Speicherung der Videos in 720p, obwohl Full-HD über den Bildsensor möglich ist. Hier sollte Gigaset zwingend im „höchsten“ Abo-Paket nachbessern.

Auch fehlt uns die Erweiterung des Systems um essenzielle Regeln. Weshalb ist es beispielsweise nicht möglich, Plugs zu schalten, nachdem eine Bewegung erkannt wurde – oder gleich bei „Außenbewegung“ das Philips Hue-System entsprechend individuell anzusteuern?

Videoaufnahme bei Nacht

Und warum gibt es immer noch keine Anbindung von weiteren Außenleuchten oder ähnlichem?

Gigaset ist mit dem Smart-Home System und der Außenkamera auf einem guten Weg, es fehlen aber immer wieder sinnvolle Funktionen. Hier sollte der deutsche Hersteller nachbessern.

Für 199 Euro ist die outdoor camera nicht günstig, aber sie ist wertig, liefert ein gutes Bild und funktioniert seit Monaten ohne Ausfall.

Fazit

Zusammenfassung

Die Gigaset outdoor camera macht vieles richtig, schöpft aber ihr Potenzial nicht vollständig aus. Das ist schade. Als Erweiterung des Smart-Home-Sets ist sie eine Bereicherung. Softwareseitig muss Gigaset nachlegen, insbesondere die fehlende Full-HD-Auflösung beim Speichern der Videos stößt sauer auf. Auch das Einbinden in das System ist kompliziert.

Overall
3,5
  • Verarbeitung & Lieferumfang
  • Funktionalität
  • Preis-/Leistung

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