einem gemischten Fazit: Käufer erwartet viel Licht, aber auch einige Schatten. Was uns stört und wo Gigaset aus unserer Sicht besser werden muss, erfahrt ihr in unserem Test.

Um das Gigaset GS5 richtig einordnen zu können, gleich vorab ein Hinweis: Das Smartphone kann sich sehen lassen, da der Hersteller seinen Fokus auf andere Fakten legt, als auf die reine Systemperformance. Wem eben jene Vorteile wichtig sind, erhält ein Smartphone, welches vermutlich perfekt zum Käufer passt.

Was Gigaset mit seinen „Made in Germany“-Smartphones erreichen möchte

Gigaset spricht sich, seit dem „Me“-Reinfall für preiswerte Smartphones aus. Damit steigt man mit Gegnern wie Xiaomi, Oppo, aber auch Samsung, Honor oder ähnlichen Schwergewichten in den Ring. Alle genannten Hersteller produzieren ihre Smartphones in „Fernost“, was zu signifikant geringeren Produktionskosten führt. Gigaset schlägt hier einen anderen Weg ein: In seinem Werk in Bocholt / NRW schafft das Unternehmen Arbeitsplätze, Wertschöpfung und am Ende auch Aufträge für umliegende Unternehmen. In Bocholt werden Smart-Home-Produkte zusammengebaut, aber auch und Smartphones und die aussterbende DECT-Festnetz-Geräte.

Außerdem möchte man nachhaltige Produkte anbieten, mit möglichst geringen Lieferwegen, dem Verzicht auf Plastik, „grüne“ Verpackungen verwenden und am Ende auf seinen Smartphones „Made in Germany“ schreiben, wobei eher „Endmontiert in Deutschland“, also „Assembled in Germany“ richtig wäre, denn die ursprünglichen Komponenten werden weiterhin im Ausland bezogen.

Was kann das GS5?

Das GS5 als direkter Nachfolger des für Gigaset-Verhältnisse erfolgreiche GS4 wurde an dezent verbessert. Die Hauptveränderungen liegen in den verwendeten Kamerasystemen. 

Wer nun eine Spielemaschine erwartet, sollte sich, so ehrlich muss man sein, nach einem anderen Gerät umsehen.

Außerdem stehen durch die austauschbare Rückseite inklusive einer Gravur-Möglickeit (Foto als Druck für 15 Euro, Gravur von Zeichen für 5 Euro Aufpreis) weitere Individualisierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zu guter Letzt besteht die Möglichkeit, den Akku innerhalb weniger Sekunden selbst – und ohne Werkzeug zu tauschen.

Prozessor nicht mehr zeitgemäß

Während das Display identisch zum GS4 ist, wie uns das Unternehmen auf Nachfrage bestätigt, wurde ein neuer Prozessor eingebaut. Statt dem Mediatek Helio P70 arbeitet nun der G85 aus gleichem Haus im wuchtigen Gehäuse.

Und dieser ist, entgegen den ersten Bekundungen, nicht leistungsstärker als sein Vorgänger. Einzig die Grafikleistung wurde leicht verbessert. Außerdem ist er recht energiehungrig. 

Die Systemperformance reicht für normales Surfen, Social Media oder Mailen durchaus noch aus, man muss sich jedoch bewusst sein, dass es zu vereinzelten Rucklern im System, aber auch zu etwas längeren Wartezeiten bei bestimmten Apps kommen kann.

Ein solcher SoC ist nicht mehr zeitgemäß und konterkariert das Vorhaben, ein langlebiges, nachhaltiges Smartphone zu bieten. Auch bietet der Chip kein 5G-Modem, welches nicht zwingend erforderlich ist, aber andere Hersteller im gleichen Preisbereich mittlerweile als Standard etablieren. 

Wuchtiges Gehäuse

Aufgrund der Möglichkeit, seinen Akku selbst zu wechseln und gleichzeitig auf einen „Kamerabump“ zu verzichten, wirkt das Gerät etwas klobig und schwer. Die mehr als 1cm Dicke des Gerätes mit einem wulstigen Rand lassen lassen das Gerät massig wirken. Dafür ist die Verarbeitungsqualität hervorragend, die Druckpunkte der Tasten sind gut, einzig die Kameraobjektive auf der Rückseite passen nicht zu 100% in den Ausschnitt. Durch die wechselbare Rückseite fehlt auch jeglicher Spritzwasserschutz. In die Badewanne fallen lassen, sollten Sie ihr Gerät also nicht. 

Beim Display und Lautsprecher nichts neues

Das Display ist, wie uns auf Nachfrage bestätigt wurde, das identische, dass auch bereits beim Gigaset GS4 zum Einsatz kam. Damit erhalten Sie ein dem Preis entsprechend helles, Mittelklasse-Display. Es kann nichts besonders gut, aber performt auch nicht schlecht. 

Der Schwarzwert ist in Ordnung, das Display flimmert optisch nicht wahrnehmbar und der Kontrast passt. Im Dunkeln muss jedoch unbedingt das Display abgedunkelt werden, da es die Augen sonst viel zu stark belastet. Während manche Farben übersättigt wirken, wirkt das Display generell recht kühl kalibriert. Alles in Allem ein Display mit dem Prädikat „Befriedigend“. Aus unserer Sicht könnte der Lautsprecher hingegen besser sein, er klingt undifferenziert, blechern und es ist nur ein Mono-Element. Das geht heute viel besser, reicht aber aus, um Nachrichten oder das eine oder andere Youtube-Video zu schauen. Hohe Lautstärken sollten Sie jedoch meiden, da leidet der Klang besonders.

Neues Kamerasystem

Die größte Veränderung nahm Gigaset am Kameraelement vor. Versuchte man beim GS4 noch mit insgesamt vier Linsen zu überzeugen, hat man nun die Makro-Linse entfernt. Die Dualkamera auf der Rückseite besteht aus einem 48MP-Hauptsensor und einem 8 Megapixel Weitwinkel mit eingebautem Makro-objektiv. Das alte 2MP-Stand-Alone Makro-Objektiv wurde glücklicherweise entfernt. Die 8MP-Makros sehen dafür ganz ansprechend aus, währen den Weitwinkel-Aufnahmen an Dynamikumfang und Details fehlt. Da gibt es bessere.

Der Hauptsensor mit seinen 48 Megapixel hingegen liefert, insbesondere bei guten Lichtbedingungen, gute Ergebnisse, wenn auch die Kamerasoftware noch nicht ausgewachsen wirkt. 

Zu häufig reagiert der Autofokus nicht richtig und nur ein kompletter Neustart der App hilft aus der Misere. Schade eigentlich, hier muss Gigaset schnell nachlegen, denn man verschenkt einiges an Potenzial.

Die 16-Megapixel Frontkamera liefert bei Tageslicht brauchbare Portrait- und Standardfotos, wo jedoch nicht immer die Farben sinnvoll passen. Hier muss der Hersteller ebenfalls nochmal ran.

Wer Bild- und Video-Aufnahmen vom GS5 sehen möchte, kann dies gerne auf unserem Youtube-Kanal in einem separaten Video machen:

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Akku ausdauernd, aber nicht herausragend

Der Akku des Gigaset GS5 ist, wie bereits eingangs erwähnt, austauschbar. Für etwas über 20 Euro kann man ein Ersatzmodul im Onlineshop des Herstellers kaufen. Außerdem lässt sich der Akku mit 15 Watt kabellos laden. Eine Eigenschaft, die es in diesem Preisbereich nahezu gar nicht gibt.

Auch die Möglichkeit, die Ladegrenze selbst einzustellen. Damit reduziert der Käufer auf Wunsch die Belastung des Akkus und verlängert die Lebensdauer massiv.

Dies hat Gigaset toll, sogar besser als Sony gelöst.

Während beim Laufzeittest von PCMark mehr als 9 Stunden Laufzeit erreicht werden, sieht es in der Praxis etwas anders aus. Je nach Anwendung und Display-Helligkeit (sowie der verwendeten Apps, die im Hintergrund Datentauschen, wie Twitter, Facebook, Aktien- und Nachrichtenapps etc.) kann es sein, dass man trotz 4500mAh nicht komplett durch den Tag kommt. An einem „richtig aktiven“ Tag, kann es schon einmal eng werden.

In der Regel reicht der Akku jedoch aus, um mit 10-15 Prozent am Abend wieder nach Hause zu kommen – bei vorheriger Ladung auf 90%. Die neue Hardware in Verbindung mit dem modernenen SoC machen sich da im Vergleich zum Vorgänger bemerkbar. Geht man mit seinem Gerät etwas „sparsamer“ um, reicht die Akkuladung auch für zwei Tage. 

Viel Speicherplatz für Bilder und Videos

Positiv zu erwähnen ist das Speicher-Upgrade: Statt 64 Gigabyte stehen nun 128 GB interner Speicher zur Verfügung, der mit einer Speicherkarte auf bis zu 512 Gigabyte erweitert werden kann. Der Arbeitsspeicher hingegen blieb bei für heutige Verhältnisse dürftigen 4 Gigabyte.

Schlankes Android, miese Updates

Überraschend positiv ist, dass bei Auslieferung nahezu keine Apps installiert wurden. Gigaset liefert ein überaus schlankes Betriebssystem an seine Kunden aus. Als aktuelle Version wird Android 11 mit dem Sicherheitspatch September 2021 angeboten – und das Mitte Dezember.

Gigaset sichert außerdem 3 Jahre Updates sowie den Umstieg auf Android 12 zu. Dies wird in der Community und von anderen Testern als „toll“ angepriesen. Für unsere Ansprüche ist dies zu wenig. 

Android 12 ist bereits auf zahlreichen Geräten vorhanden, Gigaset lieferte also eher eine „alte Version“ aus. Außerdem bedeutet die Zusicherung von Android 12, dass nach drei Jahren bereits Android 15 an z.B. Pixel-Nutzer verteilt werden, während Gigaset noch mit Android 12 agiert.

Auf unsere Nachfrage versicherte der Hersteller, dass quartalsweise Sicherheitsupdates angeboten werden. Das Update auf Android 12 soll erst Ende 2022 angeboten werden – dann arbeiten Google-Pixel-Nutzer bereits mit Android 13.

Hier muss Gigaset unbedingt nachlegen. Selbst Anbieter wie Nokia, Xiaomi oder Oppo zeigen, dass hier mehr möglich ist. Und gerade mit Blick auf die Systemsicherheit sollte Gigaset seine Kunden ernst nehmen. NFC ermöglicht Bankgeschäfte auf dem Smartphone, andere Nutzer arbeiten mit Börsen-Trading-Apps, nutzen vielleicht sogar geschäftliche E-Mails auf dem Dual-Sim-fähigen Gerät. Hier sollte die Systemsicherheit an oberster Stelle stehen.

Was sonst noch wichtig ist

Auch das GS5 verfügt über einen auf der Rückseite angebrachten Fingerabdruckscanner, der nicht zu den schnellsten seiner Art gehört. Dafür entsperrt er zuverlässig. Außerdem kann, wie auch beim GS4 mit Gesichtsscanner entsperrt werden, was zügiger als beim Vorgänger funktioniert.

Natürlich steht Bluetoot 5.0 und Wi-Fi 5 (802.11ac) zur Verfügung. Der 3,5-mm Kopfhöreranschluss wurde offenbach leicht verbessert, was auch am etwas neuen SoC liegen kann. Das GPS wurde gegenüber dem Vorgänger leicht aufgebohrt, nun stehen A-GPS, Glonass, BeiDou und Galileo zur Verfügung.

Außerdem funktioniert bargeldloses Zahlen mit dem Smartphone durch NFC. Der Tausch des Akkus wurde etwas leichter, da der Sim-Slot nicht mehr durch das Backcover geführt wird. Wer beim GS4 vergas, den Sim-Schlitten vor dem öffnen herauszunehmen, hat böse Überraschungen erleben können. Außerdem liegt dem Gerät kein Ladegerät mehr bei.

Trickserei bei Benchmarks

Eine etwas unschöne Sache gibt es beim GS5 immer noch: Mediatek hat, ähnlich Volkswagen, einen „Prüfstandsmodus“ integriert. Dieser bei MediaTek „SportsMode“ genannte Betriebsmodus startet automatisch, wenn bestimmte Apps zur Leistungsmessung verwendet werden. Dann gibt das Smartphone etwas mehr Leistung frei. Beim GS5 mit Helio G85 passiert dies unter Anderem bei Antutu, PCMark und Geekbench. 

Damit sind die Benchmark-Werte leicht nach oben verschoben – und das Gerät in der Praxis langsamer.

Fazit: Gespaltene Meinung …

Das GS5 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, was auch an der noch nicht gefundenen Position Gigasets im Smartphone-Markt zusammenhängen dürfte.

Während die Kameras nun auf einem dem Preissegment entsprechenden Niveau liegen und die Nachhaltigkeit durch Verpackung, Endmontage in Deutschland und damit verbundene Wertschöpfung sehr positiv zu erwähnen ist, erhalten Käufer für rund 300 Euro kein durchdachtes Endpaket.

Denn zur Nachhaltigkeit gehört auch Langlebigkeit. Die wird durch den wechselbaren Akku einerseits hergestellt, durch den schwachbrüstigen Prozessor, der teilweise sogar beim Öffnen und Schließen von Apps für Ruckler sorgt, gleich wieder eingerissen.

Während die Verarbeitungsqualität dem „Made in Germany“-Standard entspricht, sorgt eine verbuggte Kamerasoftware und eine miese Updatepolitik eher für ein „China-Gefühl“.

Wir können das Gerät aufgrund der seltenen Updates nicht für Business-Anwender empfehlen, denen Sicherheit besonders wichtig sein dürfte. Privatanwender, die hingegen mit ihrem Smartphone nicht vorhaben, ihr Tablet oder Notebook zu ersetzen, erhalten für 300 Euro in solides, wertiges Smartphone mit einer in diesem Preisbereich guten Kamera mit großem Display. 

Vor allem Kunden, die von einem höherpreisigen Modell zu Gigaset wechseln, werden von der schwachen Systemleistung überrascht sein.

Ob sich ein Upgrade vom GS4 zum GS5 lohnt? Wer eine bessere Kamera möchte, für den lohnt sich das Upgrade auf jeden Fall. Alle anderen Änderungen sind eher marginal. Wer warten kann, sollte vielleicht eher auf das Gigaset GS6 warten. 

Das GS5 hinterlässt bei uns trotz der besagten Schwächen einen soliden Gesamteindruck. Bei anderen Herstellern erhält man definitiv mehr Leistung für das gleiche Geld, doch Gigaset setzt im Bereich Wechselakku, Endproduktion in Deutschland, Wireless Charging und verschiedenen Individualisierungsmöglichkeiten andere Schlagpunkte. 

Zuletzt aktualisiert am 29. November 2022 um 0:07 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Eine gespaltene Meinung

Zusammenfassung

Das Gigaset Gs5 hinterlässt bei uns einen guten Eindruck. Auch wenn Gigaset noch nicht so richtig seinen Platz am Smartphonemarkt gefunden zu haben scheint. Während die Kameras nun auf einem dem Preissegment entsprechenden Niveau liegen und die Nachhaltigkeit durch Verpackung, Endmontage in Deutschland und damit verbundene Wertschöpfung sehr positiv zu erwähnen ist, erhalten Käufer für rund 300 Euro kein durchdachtes Endpaket. Denn zur Nachhaltigkeit gehört auch Langlebigkeit. Die wird durch den wechselbaren Akku einerseits hergestellt, durch den schwachbrüstigen Prozessor, der teilweise sogar beim Öffnen und Schließen von Apps für Ruckler sorgt, gleich wieder eingerissen. Dafür sind Akku, Produktion in Deutschland und Verarbeitung super. 

Overall
84%
84%
  • Verarbeitung & Haptik - 90%
    90%
  • Technische Ausstattung - 75%
    75%
  • Kamerafunktionalität - 79%
    79%
  • Preis-/Leistung - 92%
    92%

Pros

  • In dem Preissegment überraschend gute Kameras
  • toller, wechselbarer Akku
  • gutes Display
  • super Verarbeitung
  • Ausreichend Ram, Speicher + SD Slot

Cons

  • mäßige Systemleistung
  • sehr rutschige Glasrückseite
  • Zähe Updatepolitik
  • schwache Lautsprecher

2 Kommentare

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  • Hallo, habt ihr das GS 5 auch mal mit einer Samsung smartwatch ausprobiert ? Beim gs4 war das nämlich ein Drama . Würde das gerne vorher wissen, bevor ich zum gs5 greife .

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